
von Pfarrerin Karin Härle, Heusenstamm
Schon seit meiner Kindheit ist die Natur mir eine große Lehrmeisterin. Zum Graus meiner Mutter war ich nur selten ohne Krabbeltiere in Händen und Taschen anzutreffen.
Wie fühlt sich eine Blindschleiche an? Wie weit kann eine Kröte springen? Kann man Haselmäuse dressieren? Welche Pflanzen auf der Wiese kann man essen? So viel wunderbar Lebendiges gab und gibt es zu entdecken! Und noch längst sind nicht alle Entdeckungen gemacht.
Immer wieder erfassen mich Ehrfurcht und Staunen.
Welche Kraft und Intelligenz steckt doch in dem, was wir ‚Leben’ nennen! Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, dieser Kraft zu vertrauen. Dieser Energie, die Gestalt annimmt und alles miteinander in Beziehung bringt; die verwandelt, erneuert und wächst…
Mit dieser Energie lebe und rechne ich auch in der geistigen Welt, der jeder von uns ja gleichermaßen angehört. Manchmal sind unsere inneren Bilder und Stimmen sogar einflussreicher als alles Sichtbare. In jedem von uns laufen ständig innere Filme, in denen wir Erlebtes verarbeiten und Künftiges vorbereiten.
Nicht nur meine Konfirmanden sind begeistert von Gesprächen über Träume… Dass da tief in uns eine Wirklichkeit ist, die wir kaum begreifen, aber ohne die wir gar nicht lebensfähig wären… Das ist erstaunlich!
Im Gebet treten wir bewusst in Verbindung mit dieser Energie des Lebens. Auch in der Stille. Im Anschauen und Hören. In der Begegnung…
Ist es nicht phantastisch, dass Gott, der das Leben ist und Leben schenkt, für uns zugleich ansprechbar ist und antwortet?!
Ich werde wohl nie aus dem Staunen herauskommen.
Und: Ich halte inzwischen nichts mehr für unmöglich! Manchmal ist das sehr hilfreich. Auch bei der Arbeit in einer Gemeinde. Denn diese Energie Gottes bringt ganz viel Kreativität und Mut und Freude. Sie macht mich jeden Tag neugierig auf das Leben und auf noch nicht entdeckte Möglichkeiten.