Evangelisch rund um den Rodgau

Große Steine


von Pfarrer Hans-Jörg Rekow,
Evangelische Trinitatisgemeinde Rodgau/Rembrücken


Ein alter Professor wurde gebeten, für eine kleine Gruppe von Topmanagern eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten. Er hatte nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln.

Zuerst betrachtete der Professor in aller Ruhe einen nach dem anderen dieser Elitegruppe. Dann sagte er: „Wir werden ein kleines Experiment durchführen.“ Er zog einen riesigen Glaskrug unter dem Pult hervor und stellte ihn vor sich.

Daraufhin holte er ein Dutzend Kieselsteine hervor, die so groß wie Tennisbälle waren, und legte sie sorgfältig in den Krug. Als der bis zum Rand voll war und kein Kieselstein mehr in ihm Platz fand, schaute der Professor langsam auf und fragte seine Schüler: „Ist der Krug voll?“ Alle antworteten: „Ja.“

Der Professor wartete ein paar Sekunden ab und fragte: „Wirklich?“ Dann holte er einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die großen Steine und rührte anschließend leicht den Topf um. Der Kies verteilte sich zwischen den Steinen bis auf den Boden des Kruges. Wieder fragte der Professor sein Publikum: „Ist der Krug voll?“

Diesmal begannen seine schlauen Schüler die Darbietung zu verstehen. Einer antwortete: „Wahrscheinlich nicht.“ „Gut!“ sagte der Professor. Er holte einen Eimer Sand hervor und kippte diesen vorsichtig in den Krug. Der Sand füllte die Räume zwischen den Steinen.

Erneut fragte er: „Ist der Krug voll?“ Die Schüler antworteten ohne zu zögern: „Nein!“ „Gut!“ antwortete der Professor, nahm eine Wasserkanne und füllte den Krug bis an den Rand. Dann fragte er seine Schüler: „Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?“

Einer antwortete: „Daraus lernen wir, dass unser Terminplan, selbst wenn wir denken, dass er bis an den Rand gefüllt ist, uns immer noch Zeit lässt für Dinge, die zu erledigen sind.“

Der Professor sagte: „Nein. Darum geht es nicht. Was wir aus diesem Experiment wirklich lernen, ist Folgendes: Wenn wir die großen Steine nicht zuerst in den Krug legen, werden sie später niemals alle hineinpassen!“

Seine Schüler schwiegen. Jedem wurde klar, wie sehr der Professor Recht hatte.
Dann fragte er: „Was sind in ihrem Leben die großen Kieselsteine? Ihre Gesundheit? Die Familie? Die Freunde? Die Verwirklichung ihrer Träume? Das zu tun, was Spaß macht? Für eine gerechte Sache eintreten? Entspannung? Der Glaube? Oder etwas ganz anderes?

Wirklich wichtig ist, dass wir die großen Steine in unserem Leben an die erste Stelle setzen. Sonst laufen wir Gefahr, unser Leben nicht zu meistern. Wenn wir zuerst auf die Kleinigkeiten achten, verbringen wir unser Leben mit Kleinigkeiten und haben nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Deshalb fragt zuerst nach den großen Kieselsteinen und legt die zuerst in den Krug eures Lebens.“

Mit einem freundlichen Wink verließ der Professor langsam den Saal.