von Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke,
Evangelische Kirchengemeinde Steinheim am Main
Die letzte überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz, Esther Bejarano, wird am 1. September im Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk ein Konzert geben.
Esther Bejarano wurde 1924 in Saarlouis als Esther Loewy geboren. Nach ihrer Deportation spielte sie im „Mädchenorchester von Auschwitz“ Akkordeon. Gemeinsam mit Tochter Edna und Sohn Joram gründete sie Anfang der 80er-Jahre die Gruppe „Coincidence“ – zu Deutsch: „Fügung“ – mit Liedern aus dem Ghetto und jiddischen Liedern.
Zum so genannten Antikriegstag, 70 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen, steht die 85-Jährige unter dem Motto „Wir leben trotzdem - Hiphop und Weltmusik“ nun gemeinsam mit ihrer Familienband und den Kölnern Hiphopern der „Microphone Mafia“ auf der Bühne.
Vorausgegangen ist diesem Konzert ein Bandprojekt der ganz besonderen Art. Die deutsch-türkisch-italienischen Rapper Kutlu Yurtseven und Signore Rossi, die seit zwanzig Jahren Musik gegen Rassismus und Rechtradikalismus machen, haben in diesem Projekt die Musik der Familienband Bejarano aufgegriffen und in ihrer Musik neu umgesetzt:
70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, zu einer Zeit, in der Krisen und Kriege auf der Welt wieder zunehmen, ein Erinnern und Gedenken der ganz besonderen Art.
Vergangenheit wird in die Gegenwart geholt, und dabei geht es zugleich um die Zukunft. Sie wird nicht totgeschwiegen, verdrängt, vergessen und wird auch nicht aussterben mit den letzten Überlebenden. Sie ist nicht der starre Blick nach hinten, der einen erstarren lässt, wie Lots Frau, die zur Salzsäule wurde, als sie zurücksah. Sie kommt nicht als Zeigefinger herüber und vermittelt auch nicht das Gefühl, in Sack und Asche gehen zu müssen.
Sie versteht es lebendig, kräftig und schärfer das Vergangene mit den Erfahrungen der jetzigen und künftigen Generationen zu verknüpfen. Und in ihrer Vergegenwärtigung der Vergangenheit geht es im eigentlichen Sinne um die Zukunft. Ganz im biblischen Sinne „Wenn dein Kind dich morgen fragt...“ (5. Mose 6,20)
Mögen solche Projekte uns Christen ermutigen, nicht aufzuhören, von Vergangenem für eine menschliche und friedliche Zukunft „trotzdem“ zu singen, zu reden, und zu handeln – 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und angesichts gegenwärtiger Kriege, in denen oft nur die Rüstungsindustrie gewinnt.
„Selig sind die, die für den Frieden arbeiten, denn sie werden Töchter und Söhne Gottes heißen.“ (Mt, 5,9)