von Pfarrerin Frauke Wagner,
Evangelische Kirchengemeinden Hainburg und Steinheim am Main
Monatsspruch November:
1. Brief an die Gemeinde in Thessaloniki, Kap. 4, Vers 14
Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen mit ihm zur Herrlichkeit führen.
Lieber Gott,
dass Jesus gestorben und auferstanden ist und du uns durch ihn das ewige Leben schenkst, das ist in der Tat unsere feste christliche Zuversicht. Und sogar unter den Allerkleinsten spricht es sich schon herum:
Bei einem Besuch in der Kita holte ich meine Bibel heraus und ein Mädchen erklärte mir sofort, dass da Geschichten von Jesus drinstehen. „Och, Jesus“, stöhnte ein Junge „der ist doch schon lange ausgestorben!“ Worauf ein anderer gleich schlagfertig reagierte: „Du bist blöd, der ist doch wieder aufgewacht!“
Ich musste schmunzeln, als ich dieses Gespräch der kleinen Schriftgelehrten mit angehört habe. Tatsächlich haben die beiden die Sache mit ihrem kindlichen Gemüt doch sehr trefflich beschrieben: Du hast Jesus vom Tod wieder auferweckt.
Dieses Wunder ist zwar nur schwer zu fassen, aber dennoch eine Hoffnung, die mich trägt. Die Vorstellung, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, ist mir ein Trost, sowohl für mein eigenes Leben und Sterben, als auch dann, wenn ein Mensch stirbt, obwohl diese Vorstellung den Schmerz über den Verlust eines Menschen nicht zu lindern vermag. Aber sie bleibt ein Trost, der sich an die Seite der Traurigkeit stellen und dadurch zu neuem Halt verhelfen kann.
Oft sind es allerdings auch der Verlauf des Sterbens oder der Zeitpunkt des Todes, die uns besonders zu schaffen machen. Wie oft kommt es zum Beispiel vor, dass dem Sterben ein langer Leidesweg vorausgeht. Wie viele Menschen sterben unserem Empfinden nach „vor der Zeit“?
Solche und ähnliche Erfahrungen sind eigentlich mehr, als wir verkraften können. Sind wir direkt betroffen, zerreißt es uns das Herz. Die Frage, warum es so kommen musste, treibt uns um und wir finden keine Antwort darauf. Deshalb bitte ich dich, Gott:
Lass uns nicht allein, wenn wir einen vertrauten Menschen verlieren. Stell dich an unsere Seite, wenn wir mit dem Leben und auch mit dir hadern. Entziehe dich nicht unserer Wut, sondern halte die Traurigkeit und die Ungerechtigkeit, die wir empfinden, mit uns aus. Lass uns erfahren, dass du unsere Gebete erhörst und mach, dass alles wieder irgendwie gut wird. Du hast es doch auch geschafft, dass Jesus, der schon ausgestorben war, wieder aufgewacht ist. Amen.