Evangelisch rund um den Rodgau

Schöner wohnen mit Gott


von Kai Fuchs,
Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Rodgau

Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 40, Vers 3-5:
Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.


Ich weiß nicht, ob’s ihnen auch so geht… Manchmal packt einen der Drang aufzuräumen, Ordnung zu machen, auszumisten. Ich bin sicher, sie kennen diese Sätze: „Ich kann diese Ecke nicht mehr sehen.“ Oder: „Hier findet man ja überhaupt nix mehr. Da muss was passieren.“

Auf den ersten Blick scheinen wir in solchen Situationen von der schieren Notwendigkeit getrieben: Es ist Unordnung in der Wohnung, ich finde nix mehr in der Garage, im Garten kommt keiner mehr durch, im Büro bin ich nur noch am Wühlen. Hinterher fällt mir dann auf, dass dieser Tatendrang nicht nur praktische Seiten hat: Da ist noch etwas anderes – ein Wohlbefinden beschleicht mich, ich fühle mich freier.

Viele werden an Wendepunkten ihres Lebens von solchen Räumattacken gepackt oder sogar dazu gezwungen: ausmisten nach der letzten Prüfung, Abschied von Verbindendem nach einer Trennung, die Wohnungsauflösung nach einem Trauerfall. Hinter alldem steckt das Signal: Eine neue Zeit bricht an, auf die wir vorbereitet sein müssen. Und das funktioniert im Innern besser, wenn im Äußeren Ordnung herrscht.

Sie haben vielleicht auch schon die Fenster geputzt oder die Gardinen gewaschen. Warum? „Weil bald Weihnachten ist!" Ich glaube, da hat sich – bei aller Verweltlichung heute – ein Gedanke bewahrt, der ursprünglich mit Jesus zu tun hat, der in diesen Tagen in unser Herz einziehen will. „Bereitet dem Herrn den Weg“, heißt es beim Propheten Jesaja. Es wäre ja vielleicht gut, wenn auch wir Jesu Weg zu uns ebnen würden, seine Ankunft vorbereiten, wegräumen, was ihn hindern könnte, zu uns zu kommen.

Und diese Tage und Wochen auf Weihnachten hin sollen ja auch dazu dienen, das große Fest der Christenheit vorzubereiten: In unserem Kirchenkalender ist die Geburt dieses Kindes alle Jahre wieder ein großer Wendepunkt. Nur: Ist das alles nur eine äußerliche Angelegenheit? Geht es nur darum, dass die gute Stube glänzt und die staubigen Winkel unseres Hauses geräumt und gefegt werden?

Ich glaube, das wäre zu wenig! Es soll auch in unserem Inneren so sein – oder so werden: sauber, in Ordnung, bereit für das große Fest, für Gottes Ankunft. Was wäre denn noch zu tun bei uns? Ich glaube, eine ganze Menge! Bestimmt bei jedem etwas anderes, aber in jedem Herzen gibt es die Schmutzecken, die unaufgeräumten Keller, die verstaubten Dachböden... Was liegt und steht da nicht alles herum!?

Bis zum Fest ist noch genug Zeit, im eigenen Leben aufzuräumen, das Krumme von Gott wieder gerade machen zu lassen und das Unebene eben. Wichtig ist, dass wir uns dabei nicht übernehmen. Wer sich zu viel vornimmt, der ist am Ende überfordert und verliert schnell die Lust. Das ist beim Aufräumen ebenso wie mit den guten Vorsätzen, die ja auch bald wieder kommen.

Tun wir ruhig, was in diesen Tagen selbstverständlich ist: Putzen wir unsere Fenster, räumen wir mal im Keller und auf dem Dachboden auf, wischen wir die Regale ab, tragen wir die alten Sachen zum Sperrmüll und fassen wir gute Vorsätze fürs neue Jahr... Aber bleiben wir dabei nicht stehen! Viel wichtiger ist es, dass wir auch die unaufgeräumten Ecken unserer Seele wieder bewusst wahrnehmen und anfangen, Ordnung zu machen.

Denn Gott will ja nicht bei uns zuhause zur Untermiete einziehen, sondern in unser Herz. Schaffen wir weg, was seine Ankunft stört! Nutzen wir die Gunst dieser Vorbereitungszeit, in der uns doch ohnedies nach Putzen und Ordnung ist. Starten wir in uns das „Schöner Wohnen mit Gott“-Programm!