von Pfarrerin Regina Westphal,
Evangelische Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen
Lesen Sie noch eine Tageszeitung – oder haben Sie sie schon abbestellt, weil Sie so viele Hiobsbotschaften am frühen Morgen nicht ertragen können?
Ein leichtes Gruseln überfällt mich jeden Morgen, wenn ich lese, welche schrecklichen Dinge sich ereignet haben: Unwetter, kriegerische Auseinandersetzungen, Klimawandel und Umweltkatastrophen.
Manchmal denke ich, wie soll das eigentlich noch weitergehen? Ich frage mich, könnte ich irgendetwas tun, damit diese Nachrichten weniger werden. Als Jugendliche war ich da noch optimistischer. Besonders liebte ich das biblische Gleichnis vom Senfkorn und vom Sauerteig, dass mir die Gewissheit gab: Aus etwas ganz Kleinem kann etwas Großes entstehen.
Diese Hoffnung habe ich immer noch, doch manchmal befallen mich Zweifel, weil mir meine bescheidenen Bemühungen beispielsweise gegen den Klimawandel so unendlich klein erscheinen. Was kann ein Blatt Recyclingpapier schon ausrichten?
Umso mehr war ich berührt, als ich vor einiger Zeit von einem Kind hörte, dass im Alter von neun Jahren eine Idee hatte, wie man das Klima retten könnte. Vor fünf Jahren begann alles mit einem Schulrefererat und dem Traum, dass er zusammen mit Kindern in ganz Deutschland eine Million Bäume gegen den Klimawandel pflanzen möchte. Er gründete die Aktion „Plant-for-the-Planet“, der sich mittlerweile 100.000 Kinder in 100 Ländern weltweit angeschlossen haben.
Auch 1 Million Bäume in Deutschland sind längst gepflanzt, 12 Milliarden weltweit bis jetzt. Im Dezember 2011 durfte er auf der UN-Klimakonferenz in Durban sprechen. Sein neues Ziel lautet nun, 1000 Milliarden Bäume bis 2020 zu pflanzen, d.h. 150 Bäume pro Bürger. Dieser Optimismus ist bewegend und bewegt auch mich, auch als Erwachsene meine Hoffnung auf eine bessere Welt und den Glauben an das Senfkorn wieder wachsen zu lassen.