Evangelisch rund um den Rodgau

Der Ablauf eines Gottesdienstes / Die "Liturgie"

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Die Liturgie ist die Art und Weise, wie ein Gottesdienst in der Gemeinde in Ablauf und Abfolge gefeiert wird. In diesem Sinne ist ein Gottesdienst so etwas wie die Inszenierung der Begegnung zwischen Gott und Mensch und enthält deshalb eine bestimmte Reihenfolge.

Die Liturgien sind in den einzelnen Kirchengemeinden unserer Landeskirche sehr ähnlich und geben somit auch uns Evangelischen ein Gefühl der Beheimatung. Kleinere Abweichungen haben sich meist historisch entwickelt.

Üblicherweise ist die Liturgie der Gemeinde, in der Sie einen Gottesdienst besuchen, im Evangelischen Gesangbuch vorn oder hinten eingefügt. Sollte dies nicht der Fall sein, hält auch das Gesangbuch selbst ganz vorn einige Liturgien bereit.

Die einzelnen Elemente - Lieder, Gebete, Lesungen und Predigt - gruppieren sich zu vier Teilen eines Gottesdienstes:

1. Eröffnung und Anrufung: Mit Leib und Seele ankommen

Jeder Mensch kommt mit unterschiedlichen Vorerlebnissen in den Gottesdienst. Ihm geht vieles durch den Kopf, was ihn davon abhalten kann, sich an einem Sonntagmorgen oder an einem Feiertag auf Gott und die Bibel einzulassen.

Der erste Teil "Eröffnung und Anrufung" soll dabei helfen, sich als Einzelner und zusammen als Gemeinde vor Gott einzufinden und sich dem zu öffnen, was er uns sagen will.

Dabei helfen gemeinsam gesungene und gesprochene Lieder und Psalmgebete, aber auch das Sündenbekenntnis, in dem die Besucher Gelegenheit haben, Gott gegenüber loszuwerden, was sie bedrückt oder belastet.

2. Verkündigung und Bekenntnis: Die Botschaft wahrnehmen

Gottesdienste stehen in der Regel unter einem bestimmten Thema, das der Prediger wählt oder das durch den Ablauf des Kirchenjahres den einzelnen Sonn- Und Feiertagen zugeordnet ist.

Neben biblischen Lesungen und dem Glaubensbekenntnis steht im Mittelpunkt dieses Teils die Predigt, in der Liturg oder Liturgin meist ein bestimmtes Bibelwort auslegen - also erklären, interpretieren und Schlüsse für unser Leben in der heutigen Zeit ziehen.

Es geht also in diesem Teil des Gottesdienstes darum, Gottes Wort für die Ohren der heutigen Zeit verständlich zu machen, Handlungsperspektiven zu geben und es so den Zuhörern zu ermöglichen, die Kerne und Knackpunkte christlicher Botschaft wahrzunehmen.

3. Abendmahl: Miteinander Gottes Gegenwart erfahren

Im Abendmahl, das nicht zu jedem Gottesdienst, sondern meist einmal im Monat und an Feiertagen gereicht wird, sind die Erinnerungen an Jesus Christus, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung ebenso wichtig wie das schöne Gefühl der Gemeinschaft, das all diejenigen verbindet, die das Abendmahl feiern.

Es gibt einen Vorgeschmack auf das Friedensreich, das Christus versprochen hat. Es ist "ein Abglanz des Reiches Gottes".

Es gibt unterschiedliche Traditionen, wie und wann genau Abendmahl gefeiert wird. In etlichen Gemeinden werden sowohl Wein als auch Saft gereicht. Informationen dazu bekommen Sie aus dem Gottesdienstplan in Tagespresse oder Gemeindebrief - oder Sie fragen einfach vor dem Gottesdienst kurz nach.

4. Sendung und Segen: In den Alltag gehen

Segen spenden kann nur Gott, der Mensch kann aber um Gottes Segen bitten oder anderen Gottes Segen zusprechen. Er kann verstanden werden als Wunsch nach/als Bitte um Gottes Gegenwart und Geleit.

Der Gesegnete soll durch den Segenszuspruch ein offenes Auge für Gottes Schutz und Gegenwart in seinem Leben bekommen.

"Sendung" bedeutet, dass die Gottesdienstbesucher die Schwelle vom Gottesdienst in den Alltag überschreiten mit dem, was sie an Glaubensimpulsen und neuen Erfahrungen mitgenommen haben.

Dazu gehört, nicht einfach die Tür hinter sich zu schließen, sondern auch der Versuch, den eigenen Alltag zum Dienst an Gott werden zu lassen.