Rahmendaten
Der Entwurf des 2007er-Haushalts des Evangelischen Dekanats Rodgau, den die Dekanatssynode in ihrer Tagung am Samstag, 10. März, verabschiedete, schließt ausgeglichen mit Einnahmen und Ausgaben von je 1.155.031 Euro. Das ist der bisher umfangreichste Jahresetats seit Gründung des Evangelischen Dekanats Rodgau mit einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so Präses Joachim Fleiss. Begründet ist der Anstieg zum einen im Personalbereich mit der Besetzung der Referentenstellen für Gesellschaftliche Verantwortung und Gleichstellung sowie in den zunehmenden Aufgaben des Dekanats im Zuge der Dekanatsstrukturreform und der damit einher gehenden Stärkung der mittleren Ebene.
Die Rücklagen belaufen sich im Entwurf auf insgesamt auf 411.848,46 Euro, wobei davon 184.885,72 Euro als Notgroschen der Kirchengemeinden im Dekanatssonderfonds geführt werden. Die übrigen knapp 227.000 Euro sind Rücklagen, die für bestimmte Projekte oder Arbeitsbereiche zweckgebunden sind.
Die unten stehenden drei Schaubilder (zum Vergrößern bitte anklicken) analysieren den Haushaltsplan und zeigen Sachverhalte, die er auf den ersten Blick nicht hergibt. Diagramm I zeigt, wie sich die Einnahmen des Dekanats zusammensetzen:
Die Zahl der Kirchenaustritte im Gebiet des Evangelischen Dekanats Rodgau ist so gering wie seit zehn Jahren nicht. Zu diesem Ergebnis kommt die jährlich von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erstellte kirchliche Statistik für das Gebiet des Mittel- und Ostkreises Offenbach für das Jahr 2005:
Danach kehrten im vergangenen Jahr noch 311 Gemeindeglieder in den 17 Gemeinden des Dekanats Rodgau ihrer Kirche den Rücken - 139 weniger als noch im Vorjahr. Noch deutlicher fällt der Rückgang der Austrittszahlen im Zehn-Jahres-Vergleich aus: Im Jahr 1995 hatten noch fast 900 Menschen beim Amtsgericht ihren Austritt aus der Evangelischen Kirche erklärt. Seitdem haben sich die Austrittszahlen konstant verringert.
Neben dem allgemein steigenden Interesse an religiösen Fragen und dem ebenfalls wieder zunehmenden Bedürfnis, in unsicheren Zeiten einer Halt und Orientierung bietenden Kirche und Gemeinde anzugehören, geht man im Evangelischen Dekanat Rodgau auch von hausgemachten Ursachen aus:
Etliche Kirchenvorstände haben in den vergangenen Jahren in ihren Gemeinden Prozesse angestoßen und Visionen entwickelt, die die Evangelische Kirche vor Ort erkennbarer und profilierter machen: Neue gottesdienstliche Angebote zu anderen Zeiten und für mehr Zielgruppen, diakonische Projekte wie Lebensmittelverteilstellen für bedürftige Mitbürger, viele seelsorgerliche Angebote und andere Maßnahmen sorgen dafür, dass „wir eine einladende uns gastfreundliche Gemeinde im Sinne Jesu geworden sind“, meint etwa Frithjof Decker, Urberacher Pfarrer und stellvertretender Rodgauer Dekan, dessen Gemeinde in vergangenen Jahr sogar mehr Ein- als Austritte verzeichnete.
Trotz dieses positiven Trends ging die Zahl der Kirchenmitglieder im Dekanat Rodgau in den vergangenen zehn Jahren langsam, aber konstant weiter zurück - auf 52.167 Ende 2005: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir damit rund 5000 Gemeindeglieder verloren, mehr als eine große Kirchengemeinde Mitglieder zählt“, zeigt sich Dekanin Jutta Jürges-Helm nachdenklich.
Hauptsächlich liegen hier demografische Ursachen zu Grunde: Denn auch die Zahl der Kindstaufen hat sich in der vergangenen Dekade um rund 200 auf 370 reduziert - auch die Kirche bekommt zu spüren, dass weniger Kinder geboren werden. Dafür „erholt sich“ langsam wieder die Zahl der Trauungen durch einen evangelischen Seelsorger: 104 Paare gaben sich im vergangenen Jahr zwischen Dietzenbach, Mainhausen, Mühlheim und Rödermark das „Ja-Wort“.
Relativ konstant blieb dagegen die Zahl der Erwachsenentaufen - also derer, die sich neu für eine Kirchenmitgliedschaft entscheiden. 47 waren das diesmal im Dekanat Rodgau. Kleineren Schwankungen in beide Richtungen unterliegt die Zahl der Wiedereintritte: 144 ehemalige Mitglieder sind im vergangenen Jahr wieder zurückgekommen. Dafür sind die Gründe vielfältig - „oftmals ist aber eine Hochzeit, eine Taufe oder ein Patenamt Anlass für Ausgetretene, neu über eine Mitgliedschaft nachzudenken“, so die Erfahrung der Seligenstädter Pfarrerin Leonie Krauß-Buck.
Die Kirchenstatistik widerlegt auch die Vermutung, dass immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchen. Im Gegenteil: Durch neue Zielgruppenagebote wie Familien-, Literatur- oder Taizé-Gottesdienste bleibt der Gottesdienst - zuweilen in neuem Gewand - für die Gläubigen wichtig und die Besucherzahl seit Jahrzehnten konstant. Spitzenreiter ist aber nach wie vor der Heilige Abend, an dem wieder über 13.000 Menschen allein im Dekanat Rodgau an Christvespern oder -metten teilnahmen.
Zuweisungen der EKHN:
Hier sehen Sie, was dem Evangelischen Dekanat Rodgau an Kirchensteuer-Mitteln zugeht, nämlich rund 838.000 Euro, davon über 760.000 Euro aus der Bedarfszuweisung und knapp 77.000 Euro aus der Regelzuweisung. Das sind zusammen knapp drei Viertel des Haushalts.
Im Personalkostenersatz Kirchengemeinden sind die Gelder enthalten, die Kirchengemeinden an das Dekanat zahlen, wenn Stellen gemeinsam errichtet wurden (z. B. Kirchenmusik) oder wenn Stellenanteile einer im Dekanat verwalteten Stelle in der Gemeinde abgeleistet werden (Gemeindepädagogen). Diese Summe macht acht Prozent des Dekanatshaushaltes aus.
Ähnlich verhält es sich bei der Einnahmen-Kategorie Personalkostenersatz von Dritten: Hier kommen die Einnahmen des Dekanats aus Zahlungen von Kooperationspartnern außerhalb des Systems Dekanat - Kirchengemeinde: (1) aus dem Nachbardekanat Dreieich (Fachstelle gesellschaftliche Verantwortung), (2) aus Stellen(anteilen) im gemeindepädagogischen Dienst, die kommunal oder (3) aus Mitteln eines Gemeindeaufbauvereins finanziert werden.
Teilnehmerbeiträge und Zuschüsse fallen hauptsächlich im Jugendhaushalt an. Teilnehmerbeiträge etwa aus den Gruppenleiterseminaren oder aus der in diesem HH-Jahr stattfindenden Toskana-Jugendfreizeit, in deren Etat die TN-Beiträge allein schon bei 18.400 Euro liegen - weswegen der Gesamtbetrag in diesem Jahr auch so hoch ausfällt.
Zuschüsse kommen hauptsächlich vom Kreis Offenbach, von einzelnen Kommunen sowie vom Landesverband Evangelische Jugend in Hessen für die außerschulische Bildungsarbeit. Unter „Weitere Einnahmen“ summieren sich z. B. Spenden und Kollekten, Zinserlöse aus den Rücklagen, Zuführungen aus den Rücklagen in die Einzelhaushalte, Verkaufserlöse usw.
Schaubild 2 nimmt umgekehrt die Ausgaben des Evangelischen Dekanats Rodgau in den Blick: Hier wie bei den anderen Folien auch ist der Grundwert das Haushaltsvolumen. Hier wird nicht nach Personal- oder Sachkosten und auch nicht nach Bedarfs- oder Regelzuweisung unterschieden - sondern lediglich danach, wie viel Geld in welchen Arbeitsbereich investiert wird. D. h.: Jedes einzelne Kuchenstück enthält aufsummiert die Personal- und die Sachkosten.
Neu sind in diesem Jahr die Arbeitsbereiche Gesellschaftliche Verantwortung und in diesem Umfang die Gleichstellung. (Die weiteren Ausgabenbereiche entnehmen Sie bitte dem Schaubild.)
An diesem Diagramm wird deutlich, dass das Evangelische Dekanat Rodgau über die Hälfte seines Haushalts - nämlich zzt. 52 Prozent - direkt in Maßnahmen der Arbeit mit Kinnder, Jugendlichen und Familien investiert, nämlich in den Arbeitsbereichen Jugend, Gemeindepädagogischer Dienst und (Familien-)Bildung.
Der Hauptanteil im Bereich Personalkosten entsteht im Arbeitsbereich "Gemeindepädagogischer Dienst". Zurzeit verfügt das Evangelische Dekanat Rodgau dort über elf Mitarbeitende, die in 14 der insgesamt 17 Dekanatsgemeinden tätig sind. Durch ein ausgeklügeltes solidarisches Modell, bei dem sich Kirchengemeinden an der Finanzierung der Stellen beteiligen, ist es dem Evangelischen Dekanat Rodgau gelungen, über den eigentlichen Rahmen hinaus weitere Arbeitsplätze zu schaffen.
Darüber hinaus ist im Dekanat Rodgau ein Dekanatsjugendreferent hauptamtlich mit ganzer Stelle tätig.
Um die Verwaltungsabläufe kümmern sich eine Verwaltungsfachkraft mit einem 0,75-Stellenanteil sowie zwei Mitarbeitende im Sekretariat. Einen halben Dienstauftrag für die drei Dekanate Offenbach, Dreieich und Rodgau, hat die Gleichstellungsbeauftragte.
Im Zuge der Dekanatsstrukturreform hat das Evangelische Dekanat Rodgau folgende Stellen geschaffen: Gesellschaftliche Verantwortung (0,75 zusammen mit dem Dekanat Dreieich), Bildung (0,5; angesiedelt in der Evangelischen Familienbildung im Kreis Offenbach) sowie eine Vollzeitstelle für Öffentlichkeitsarbeit.
Schaubild 3 unternimmt den Versuch aufzuzeigen, wo eigentlich der finanzielle Handlungsspielraum des Dekanats liegt. Das dürfte für viele das am meisten ernüchternde Diagramm sein, denn von allen Ausgaben, die das Dekanat tätigt, sind über 90 Prozent über gesetzliche bzw. tarifliche Regelungen, Synoden- oder DSV-Beschlüsse zweckgebunden.
Ebenfalls nicht verfügbar sind die fünf Prozent des Haushaltes, die als Umlage oder Verpflichtung abgeführt werden - oder die als Zuführung zum Dekanatssonderfonds nicht zur Verfügung stehen. Hier enthalten ist auch die Wiederanlage der Zinsen aus Rücklagen, die ja auf der jeweiligen Rücklage verbleiben - eine Position von immerhin 14.800 €uro.
Es bleibt ein Gestaltungsrahmen von vier Prozent. Von denen wiederum sind weitere zwei Prozent zweckgebunden, um die Personalkosten im Dekanatssekretariat zu finanzieren, die nicht über die Bedarfszuweisung finanziert werden.