Evangelisches Dekanat Rodgau legt statistischen Bericht 2007 vor: Austrittszahlen gehen zurück, Mitgliederzahlen allerdings auch
Zwar haben sich „nach zwei wirklich guten Jahren in Folge“ die Vergleichszahlen zum Vorjahr in den Statistiken des evangelischen Dekanats Rodgau wieder etwas relativiert. „Der Trend bei der Mitgliederentwicklung gibt Anlass zur Sorge, aber auch zur Hoffnung“, bilanziert das Evangelische Dekanat Rodgau den Zahlenspiegel für das Jahr 2007, der die Entwicklung der evangelischen Kirche in der Region messbar macht.
Zwar sinken die Mitgliederzahlen weiter – und auch wieder etwas stärker als in den letzten beiden Jahren: Eine erstmals angestellte tiefer gehende Analyse zeigt aber, dass von einem Austrittstrend oder gar einer „Welle“ keine Rede sein kann.
513 Mitglieder verloren die 17 evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat Rodgau im vergangenen Jahr; in der Summe zählten sie zum 31. Dezember 2007 51.432 Seelen. Das ist ein Rückgang von knapp einem Prozent im Vorjahresvergleich.
In zehn Jahren eine große Kirchengemeinde weniger
„Was das wirklich bedeutet, zeigt erst der Zehn-Jahres-Vergleich“, erläutert Pressesprecher Kai Fuchs: „Hier geht die Zahl evangelischer Kirchenmitglieder konstant um gut acht Prozent zurück, liegt damit aber nach wie vor unter dem landeskirchenweiten Trend.“ Konkret heißt das: Zwischen 1997 und 2007 hat die Evangelische Kirche im Mittel- und Ostkreis Offenbach über 5.000 Mitglieder verloren – und damit in der Summe eine große Kirchengemeinde.
Das Dekanat führt diesen Trend aber unter anderem auf demographische Entwicklungen zurück. Die Einwohnerzahlen im Kreis Offenbach sind ebenfalls leicht rückläufig, wie ein Blick in die Bevölkerungsstatistik des Kreises zeigt.
Weder Trend noch Welle: Austrittszahlen gehen langfristig zurück
Gegenläufig ist aber der Trend bei den Kirchenaustritten. Auch dies zeigt der Vergleich: Seit dem Jahr 2001 treten immer weniger Menschen aus der Evangelischen Kirche aus. Im Zehn-Jahreszeitraum gehen die Austrittszahlen überdeutlich um ein bis zwei Drittel zurück. Und auch dieser Trend hält an: In den frühen 90er-Jahren traten noch bis zu 900 Menschen pro Jahr aus der Kirche aus.
Eintritte und Taufen überwiegen
„In den vergangenen vier Jahren überwog die bewusste Entscheidung, selbst der Kirche (wieder) anzugehören oder die eigenen Kinder evangelisch taufen zu lassen, gegenüber dem Austritt.“ Im Jahr 2007 kehrten 403 Mitglieder der evangelischen Kirche den Rücken; dem stehen aber 94 Eintritte, 30 Erwachsenentaufen und 335 Kindstaufen entgegen.
„Das Verhältnis zwischen Zuwachs und Verlust bei den Mitgliederzahlen kippt erst, wenn wir auch die Sterbefälle mit hinzurechnen.“ Denn dort zeigt sich die strukturelle Schräglage: Über die Jahre konstant dominieren Austritte und Sterbefälle gegenüber den Taufen und Eintritten im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel.
Rückgang bei Kindertaufen "Besorgnis erregend"
Deshalb werden die evangelischen Christen langsam weniger: „Die wirklich Besorgnis erregende Zahl ist der Rückgang bei den Kindstaufen“: Auch hier scheint sich ein Trend zu etablieren, der dafür sorgt, dass innerhalb von zehn Jahren die Anzahl getaufter Kinder um ein Drittel zurückgeht.
Bei den weiteren Amtshandlungen der Kirche ist derzeit kein deutlicher Trend nach oben oder unten auszumachen: Die Zahl der Konfirmierten (485) bleibt langfristig ebenso weitgehend konstant wie die der Bestattungen (494). Nach Rückgängen zwischen 1995 und 2002 hat sich auch die Zahl der evangelischen Trauungen wieder erholt und ging erst im vergangenen Jahr wieder leicht zurück auf 88 Traugottesdienste.
Gottesdienstbesuche bleiben über die Jahre konstant
Nach wie vor im Aufwärtstrend befinden sich die Gottesdienstbesuche: Die Zahlen für drei der vier so genannten „Zählsonntage“ – Invokavit in der Passionszeit, Karfreitag, und Heiligabend – zeigen in den letzten Jahren leicht nach oben. Lediglich der Gottesdienstbesuch am Ersten Sonntag im Advent ging in den vergangenen beiden Jahren leicht zurück, bleibt aber ebenfalls im langjährigen Vergleich konstant. Dabei sind die durch die Bank gut angenommenen neuen Gottesdienstformen von der Friedensandacht bis zu „Kirche mal anders“ oder Gottesdienst im Grünen in der Statistik nicht erfasst.
Kollektenrechner Böllert: 40 Prozent der Kollekteneinnahmen an Weihnachten
Leicht gesunken sind auch die Einnahmen aus den Gottesdienstkollekten, wie Dekanatsrechner Willi Böllert mitteilt: Mit 85.985 Euro lag das gesamte Kollektenaufkommen im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent unter dem Wert für 2006. Etwas geringer fiel der Rückgang bei den Heiligabend-Kollekten aus, die traditionell für die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ bestimmt sind. 33.588 Euro spendeten die Kirchgänger in der Heiligen Nacht, 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Gottesdienstkollekten in der evangelischen Kirche werden je nach Sonntag abwechselnd zweckgebunden an gemeinnützige kirchliche Organisationen abgeführt oder verbleiben für konkrete Projekte in der Kirchengemeinde. Rund 40 Prozent der Gesamtkollekten entfallen allein auf die Weihnachtstage.